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Warum Beziehungen so oft scheitern - oder gar nicht erst entstehen...



Sicherlich hat jede/r von uns eine/n oder mehrere FreundInnen, die einfach nicht den/die richtige/n PartnerIn finden. Oft sind das wirklich tolle, sympathische, attraktive Menschen und wir können überhaupt nicht verstehen, was da los ist.

Ich selbst war über 10 Jahre Single und habe immer wieder von Freunden gehört, was für eine tolle Frau ich doch sei und dass man überhaupt nicht verstehen könne, warum ich keinen Partner finde... Nun ja, inzwischen habe ich an mir gearbeitet und bin in einer sehr glücklichen Beziehung!


Die Ursachen sind natürlich meist ganz individuell, aber heute möchte ich euch erläutern, was bei dem ein oder anderen möglicherweise dahinter stecken könnte.

Es geht um das Thema Bindung bzw. Bindungsfähigkeit.


Als Babys/Kinder sind wir darauf angewiesen, uns an andere Menschen zu binden - meist ist das natürlich als allererstes die Mutter, mit der man ja bereits im Mutterleib eine Bindung eingeht (nicht nur psychisch sondern sogar körperlich durch die Nabelschnur). Diese Bindung ist lebenswichtig, nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch, wenn nachdem wir auf die Welt gekommen sind.

Natürlich bringt ein Baby bereits einiges mit, aber das Meiste muss gelernt werden. Dies tun Babys/Kinder vor allem durch Nachahmung. Unter anderem lernt ein Kind durch die jeweilige/n Bezugsperson/en, wie Bindung funktioniert.

Fühlt sich ein Kind stets sicher, geborgen, wertgeschätzt, gesehen, angenommen und bekommt es die Möglichkeit in einem sicheren Umfeld seine Welt zu erkunden, Dinge angstfrei auszuprobieren, Fehler zu machen, dabei immer wieder liebevoll ermutigt aber auch aufgefangen zu werden, dann lernt es, sich sicher zu binden. Es lernt Vertrauen in andere und in sich selbst zu haben.

Häufig verläuft die Kindheit allerdings nicht so optimal - es gibt Erwartungen, seelische Verletzungen, manche Kinder werden überbehütet, andere vernachlässigt oder sogar körperlich und/oder psychisch misshandelt/missbraucht.

Selten handeln Eltern in böser Absicht, sondern aus den eigenen Mustern heraus, die sie einst erlernt haben.

Nichtsdestotrotz führen viele (ungewollt) falsche Erziehungsmethoden dazu, dass Kinder sich irgendwann entscheiden zwischen der Autonomie auf der einen Seite und der Beziehung auf der anderen Seite.


Kinder, die sich für die Autonomie entscheiden, haben gelernt, dass Bindung weh tut, man sich auf andere Menschen nicht verlassen kann und es sich nicht gut anfühlt, von anderen Menschen abhängig zu sein. Diese Kinder tun sich später als Erwachsene sehr schwer, anderen zu vertrauen, eine stabile Bindung aufzubauen und sich in einer Partnerschaft fallen zu lassen. Sie bitten andere nicht um Hilfe, haben das Gefühl, alles alleine schaffen zu müssen und zeigen ungerne ihre Emotionen, weil sie fürchten, verletzt zu werden. Sie opfern die Beziehung für ihre Autonomie.

Kinder, die sich für die Beziehung entscheiden, hatten das Gefühl, nur dann existieren zu können, wenn sie sich übermäßig an eine Bezugsperson binden. Diese Kinder tun alles, um anderen zu gefallen, nehmen sich selbst nicht wichtig, stellen andere voran, opfern sich sogar für andere auf und glauben: wenn ich so bin, wie andere mich haben möchten, dann werde ich geliebt.

Daraus entstehen dann Erwachsene, die lieber in einer unglücklichen Beziehung verharren, als alleine zu sein. Oder die den/die PartnerIn so sehr erdrücken, dass die Beziehungen immer wieder scheitern. Sie opfern ihre Autonomie für die Beziehung. Diese Menschen verwechseln zudem häufig Liebe mit Bindung. (Was genau eigentlich der Unterschied ist, erkläre ich in meinem nächsten Beitrag.)


Wie so oft ist der goldene Mittelweg zwar erstrebenswert, aber gar nicht so leicht zu erreichen. Denn meist sind uns unsere Verhaltensmuster ja gar nicht bewusst.

In meinen therapeutischen Sitzungen frage ich immer auch nach den Verhältnissen in der Ursprungsfamilie. Und fast immer bekomme ich erst mal die Aussage, dass alles ganz toll war. Zum einen spielt hier der Loyalitäts-Konflikt den Eltern gegenüber eine Rolle, zum anderen aber natürlich auch, dass wir vieles entweder verdrängen oder es uns tatsächlich nicht mehr bewusst ist. Zudem bewerten wir Situationen, die wir als Kind erlebt haben im Erwachsenenalter oft sehr bagatellisierend.


Zusammenfassend kann man sagen, dass Bindungsprobleme eine ernstzunehmende Herausforderung für Beziehungen darstellen können, aber dass es Hoffnung und Lösungen gibt. Indem man die Probleme anspricht und an ihnen arbeitet, kann man eine tiefere und erfüllende Beziehung aufbauen (und ich spreche hier aus eigener Erfahrung!).






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